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Gleichstellung

Frauen - engagiert euch!

Frauen werden auch heute noch in vielerlei Hinsicht diskriminiert, bewusst oder unbewusst. Die Gleichstellung der Geschlechter ist und bleibt ein grosses Thema. Der SEV wehrt sich entschieden gegen jegliche Form von Diskriminierung. Aber erfolgreich sind wir nur zusammen.

Dem SEV liegt es deshalb besonders am Herzen, auch weibliche Kolleginnen aus öV-Betrieben für die Mitgliedschaft zu gewinnen. Ein Beitritt ist einfach und lohnt sich auf jeden Fall.

Unsere Themen: 

Recht und Arbeit

Lohn und Rente

Familie und Beruf / Vereinbarkeit

Gesundheit / Covid-19

 


Recht und Arbeit

Frauen dürfen in der Schweiz erst seit 50 Jahren mitreden in der Politik - das Stimm- und Wahlrecht für Frauen wurde 1971 per Volksabstimmung (der Männer) eingeführt. Seither hat sich einiges getan in Sachen Gleichstellung. Doch noch immer werden Frauen aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt.

  • Frauen werden in der Arbeitswelt doppelt so oft diskriminiert (Lohn, Karriere) als Männer. Insbesondere auch aufgrund von (möglicher) Mutterschaft. Aber auch für (werdende) Väter sind die Rahmenbedingungen in der Schweiz nach wie vor mangelhaft. 
  • Schwangerschaft und Mutterschaft sind im Arbeitsgesetz und durch Gesamtarbeitsverträge geregelt. Doch die Bestimmungen werden nicht immer korrekt angewandt.
  • Frauen sind dreimal mehr von Gewalt am Arbeitsplatz betroffen als Männer. 

Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 28. April 2021 die Gleichstellungsstrategie 2030 verabschiedet. Es ist die erste nationale Strategie des Bundes mit dem Ziel, die Gleichstellung der Geschlechter gezielt zu fördern. Sie konzentriert sich auf vier zentrale Themen: die Förderung der Gleichstellung im Erwerbsleben, die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Prävention von Gewalt und die Bekämpfung von Diskriminierung. Die vorrangigen Massnahmen der Strategie werden bis Ende Jahr konkretisiert und sollen bis 2023 verabschiedet oder umgesetzt werden. Für den SEV ist die Strategie ein Schritt in die richtige Richtung, wenn auch ein sehr kleiner. Insbesondere im Bereich der Gewalt an Frauen und Mädchen wird aktuell viel unternommen. In vielen anderen Themen ist die Gleichstellungsstrategie allerdings bereits veraltet und zeigt kaum Innovationskraft. Eine verpasste Chance!


Lohn und Rente

Auf der Gehaltsebene nehmen die Ungleichheiten zu: Frauen verdienen jetzt im Durchschnitt 19 % weniger als Männer. Zwischen 2014 und 2018 hat sich der Abstand zwischen Männern und Frauen vergrössert und insbesondere der klar diskriminierende Anteil ist gewachsen. Während Frauen im Jahr 2016 durchschnittlich 18,3 % weniger verdienten als Männer, stieg dieser Anteil 2018 auf 19 %. Diese Ungleichheiten wirken sich bereits heute unweigerlich auch auf die Situation bei Pensionierung aus. Dies, obwohl es gemäss Entwurf der AHV-Reform 21 für Frauen eine weitere Kröte zu schlucken gilt. 

Die während des Erwerbslebens erlittenen Benachteiligungen der Frauen durch tiefere Löhne oder Teilzeitarbeit verstärken sich bei den Renten. Dass es eine Rentenlücke gibt, kann heute nicht mehr geleugnet werden. Die mittlere Pensionskassenrente der Frauen, die 2019 pensioniert wurden, betrug monatlich 1’160 Franken. Bei den Männern betrug sie 2’144 Franken. Nur bei der AHV ist die Rentenhöhe fairer verteilt, da auch Erziehungs-​ und Betreuungszeiten rentenbildend sind. Unter dem Strich bleibt eine Rentendifferenz von einem Drittel.

Faktisch sind viele Frauen im Alter daher immer noch von Männern abhängig. Ihre tiefen Renten reichen nicht zum Leben. Die Gleichstellung in der Altersvorsorge kommt nicht vom Fleck: Wenn die Entwicklung so weitergeht wie bisher, wäre die Rentenlücke erst im Jahr 2100 überwunden. In 80 Jahren! Und mit der AHV 21 soll die Rentensituation der Frauen gar noch verschlechtert werden.


Familie und Beruf / Vereinbarkeit

Seit anfangs 2021 haben wir einen gesetzlich verankerten Vaterschaftsurlaub von zehn Tagen und die nationalrätliche Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur hat im Februar 2021 beschlossen, dass der Bund die familienergänzende Kinderbetreuung besser unterstützen muss. Doch nach wie vor besteht noch sehr viel Handlungsbedarf, um Familie und Beruf optimal unter ein Dach zu bringen.

Ein grosses Thema ist nach wie vor die unbezahlte Care-Arbeit. Wir konnten nicht zuletzt auch während dem Lockdown im Frühjahr 2020 sehen was geschieht, wenn Kitas und Grosseltern als Betreuungsinstitutionen wegbrechen. Dies löste in vielen Familien teils grosse Krisen aus. Wir Gewerkschaftsfrauen sind der Meinung, dass Kinderbetreuung Teil des Service public sein muss. Denn nur so kann die Chancengleichheit von jedem Kind optimal gefördert werden. Ausserdem ermöglicht unsere Vision von Kinderbetreuung inkl. Tagesschulen als Service public beiden Elternteilen, stressfreier ihre Erwerbsarbeit nach der Geburt eines Kindes wieder aufzunehmen. Uns Gewerkschaftsfrauen* ist hierbei vor allem der Aspekt der ökonomischen Unabhängigkeit der Frauen sehr wichtig. Wenn eine Frau finanziell unabhängig ist und ebenfalls in die Familienkasse einbezahlt, steht sie auf Augenhöhe mit ihrem Partner und durchbricht das Machtgefälle, das sonst immer vorhanden ist.


Gesundheit / Covid-19

Historisch gesehen haben Frauen in jeder Krise verloren und die Coronapandemie ist keine Ausnahme. Sie hatte und hat noch immer grosse Auswirkungen auf die weibliche Bevölkerung der ganzen Welt, weil Armut, Gewalt und Existenzangst gerade explodieren. Der Graben zwischen arm und reich hat sich in jedem Land vergrössert – es gab noch nie so viele Millionäre und Milliardäre in der Schweiz wie jetzt. Frauen sind und waren von Lockdowns mehr betroffen als Männer, z.B. weil die rund 300 Millionen Schüler/innen nicht mehr zur Schule konnten und zu Hause unterrichtet werden mussten, falls sowas überhaupt möglich war. Die Folge davon: Viele von Armut betroffene Mädchen haben heute bereits ihren Zugang zur Schule ganz verloren und werden mit 8-9 Jahren wieder zwangsverheiratet. 1,5 Millionen Kinder ohne Zugang zur Schule leben nur noch im virtuellen Raum und sind dort Netz-Gewalt ausgesetzt, was Mädchen überdurchschnittlich betrifft - das gilt auch für die Schweiz.

Die Pandemie wird also ökonomische Langzeitfolgen haben für Frauen, von denen noch kaum jemand spricht. Erstens verlieren arme und diskriminierte Menschen öfter den Job und sterben häufiger an Covid-19 als reiche und privilegierte und zweitens zeigen die ökonomischen Pandemiehilfsprogramme null Sensibilität für die Forderungen der Frauen-NGOs. Frauen, die ihren Job verloren haben sind abhängig von ihrem Partner oder Familienclan, was Zwang und Gewalt fördert. Beispielsweise Migrantinnen aus Ost-Europa, die im sog. «informellen Sektor» arbeiten, weder arbeitsausfall- noch krankheitsversichert sind, sondern in Berufsanstellungen mit absolut prekären Verhältnissen arbeiten müssen. Sie haben alleine im ersten Lockdown 70% Einkommen verloren. Diese transeuropäischen Care-Arbeiterinnen standen im März 2020 entweder vor verschlossenen Türen oder geschlossenen Grenzen.

Ein lokaleres Beispiel sind die Berufsbranchen Detailhandel, Tourismus und Gastronomie, in denen überdurchschnittlich hohe Frauenanteile aufweisen. Die langen Schliessungen hatten zum Teil bereits Entlassungswellen zur Folge. Wir wissen aus Untersuchungen, dass es für Frauen doppelt so schwer ist einen beruflichen Wiedereinstig zu schaffen nach einer Kündigung, ausser sie erklären sind bereit für noch schlechtere Konditionen zu arbeiten. Ausserdem sind weltweit 70% der Menschen in Pflege- und sozialen Berufen Frauen, die damit der Pandemie viel stärker ausgesetzt waren und noch sind und massive physische und psychische Belastungen stemmen mussten, ganz egal ob ihre Arbeit bezahlte oder unbezahlte Care- und Sorgearbeit ist.

Wenn Frauen in die Armut rutschen ist das doppelt schlimm für eine Gesellschaft, denn mit ihnen sind auch viele Familien betroffen. Damit fehlt ihnen das Geld für alles im Leben, auch für Gesundheitsprävention, was dazu führt, dass die Mütter- und Kindersterblichkeit weltweit gerade wieder ansteigt. Die UN Women rechnen mit rund 7 Millionen ungewollten Schwangerschaften, die wegen fehlendem Zugang zu Verhütungsmitteln und Vorsorge eine Familienplanung ruinierten.

Die weibliche Genitalverstümmelung werde ebenfalls um rund 2 Millionen zunehmen, da der normale Zugang zu ärztlicher Kontrolle pandemiebedingt fehlt und auch die anderen sozialen Kontrollinstanzen, wie Schulen und Freizeitvereine wegfallen, die kleine Mädchen davor geschützt haben. Damit steigt auch die Sterblichkeitsrate bei jungen Mädchen wieder an.

Ausserdem fehlt vielen heute der Zugang zu Beratungs- und Hilfsorganisationen, was gerade für von Gewalt betroffene Frauen und Mädchen grausame Auswirkungen hat – auch in der Schweiz. Trotz offener Beratungsorganisationen zählten wir bereits den 13. Femizid in diesem Jahr. Die globale Pandemie verstärkte den Stress in gewissen Paarbeziehungen bei beengten Lebenssituationen, dazu kam die Angst vor Krankheit, Tod und Hunger. Alle diese Faktoren haben einige Menschen in die Enge getrieben, wie selten zuvor. Das ist ein gärender Nährboden für Gewalt an Frauen und Mädchen, auch ohne dass man dafür in einem Kriegsgebiet wohnen muss.

Der SEV in der Pandemie

Der SEV setzt sich in "seinen" Betrieben für die bestmöglichen Arbeitsbedingungen und die Einhaltung von Gesundheitsschutzmassnahmen ein, die trotz der neuen Umstände umsetzbar sind. Um zwei Beispiele zu nennen: Es ist dem SEV gelungen, bei der SBB die Kurzarbeit ohne Lohnkürzung oder bei den TPG die Zeitkontos zu retten.

Die Arbeitsbedingungen im Schweizer öV sind im Vergleich zu anderen auch in der Pandemie relativ gut und das ist alles andere als selbstverständlich. Der SEV beobachtet bis dato keine direkte Diskriminierung wegen der Pandemie bei Frauen in der Schweizer öV Branche. Damit zählen wir ganz bestimmt zu den privilegierten Frauen weltweit, sogar auch innerhalb der öV Branche. 

Dossier Frauen

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