Diese Entlassungen nahm das Schifffahrtsunternehmen vor, nachdem es den Gewerkschaften die ausserordentliche Kündigung des Gesamtarbeitsvertrags zugestellt hatte. «Diese drei Entlassungen sind nicht, wie SNL behauptet, eine Massnahme zur Unternehmensumstrukturierung, sondern gezielte gewerkschaftsfeindliche Entlassungen. Die drei entlassenen Kollegen standen der Gewerkschaft nahe und waren kritische Stimmen innerhalb des Unternehmens», sagt der zuständige Gewerkschaftssekretär des SEV, Angelo Stroppini. «Der erste Kollege war Mitglied der Personalkommission, der zweite war Kandidat für die Vertretung der Belegschaft im Stiftungsrat der Pensionskasse und der dritte hat die Gewerkschaft eingeschaltet, um seine legitimen Rechte in Fragen des Arbeitszeitgesetzes geltend zu machen. Es waren also drei unbequeme Mitarbeiter, die das Unternehmen loswerden wollte. Dass dies kurz nach der Kündigung des GAV passierte, ist kein Zufall. Es ist eine klare Strategie, um diejenigen vom Verhandlungstisch fern zu halten, die verschiedene Besorgnis erregende Missstände aufgedeckt hatten.»
Die Missstände, die der SEV anprangert, sind:
- Die wenig transparente Verwaltung der Pensionskasse
- Die Umgehung des Gesamtarbeitsvertrags des Lago Maggiore
- Unregelmässigkeiten bei der Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes und der entsprechenden Verordnung
Bei diesen heiklen Punkten hatten die Gewerkschaften Schwierigkeiten, Informationen zu erhalten und einen konstruktiven sozialpartnerschaftlichen Dialog mit der Geschäftsleitung aufzubauen.
Petition gegen Entlassungen und Missstände
Die Entlassungen sind ein direkter und bewusster Angriff auf die Gewerkschaftsfreiheit. Sie sind ein klares Zeichen für eine Einschüchterungspolitik. Für den SEV sind sie nicht hinnehmbar, erst recht nicht in einem Unternehmen, das öffentliche Gelder erhält. Deshalb wurde die Petition des SEV in der ganzen Schweiz von zahlreichen Kolleginnen und Kollegen unterschrieben. Die Unterschriften sind ein Zeichen der Solidarität mit den drei entlassenen Arbeitnehmern und allen anderen Beschäftigten des Unternehmens, die einem skrupellosen Arbeitgeber ausgeliefert sind.
Die Unterzeichnenden der Petition fordern:
- Die sofortige Rücknahme der Entlassungen
- Das dringende Eingreifen der politischen und institutionellen Behörden des Kantons und der Stadt
- Die Einstellung der öffentlichen Finanzierung für Unternehmen, die die Grundrechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Füssen treten
Für Angelo Stroppini ist klar: «Gleichgültigkeit ist keine Option. Die Unterzeichnenden haben reagiert, weil sie sich bewusst sind, dass das, was heute ihren Kollegen von der SNL passiert ist, in Zukunft auch sie treffen könnte. Es ist nicht hinnehmbar ist, dass diejenigen bestraft werden, die für ihre Rechte eintreten.»