«Es darf nicht sein, dass ohne dringende betriebliche Notwendigkeit Leistungen eines bundesnahen Betriebs ausgelagert werden! SBB Immobilien nimmt damit in Kauf, dass 130 bis 150 Personen ihren Job verlieren. Die Leistungen könnte SBB Immobilien problemlos selbst erbringen und die temporären Mitarbeitenden dafür intern anstellen. SBB Immobilien versucht offenbar, sich zu einem schlanken Unternehmen zu entwickeln, das möglichst viele Aufgaben auslagert und sich auf die Betreuung der externen Dienstleister konzentriert. Diese Entwicklung macht betriebswirtschaftlich keinen Sinn und hat ausschliesslich negative Folgen, einerseits aus einer menschlichen Perspektive, andererseits bezüglich Qualität und Kundenerlebnis am Bahnhof» kommentiert der für SBB Immobilien zuständige SEV-Gewerkschaftssekretär Patrick Kummer.
Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV hatte bereits anfangs Jahr vor diesem Abbau an Service-Public Leistungen zu Lasten von temporären Mitarbeitenden gewarnt. Die Mitarbeitenden der SBB zeigten sich darauf solidarisch und sammelten mit einer Petition 4000 Unterschriften gegen die Auslagerung von Kernleistungen an Bahnhöfen der SBB. Mit der Petition forderten die Mitarbeitenden der SBB von Vincent Ducrot, auf die Auslagerung und den Abbau der 130 bis 150 Temporärstellen zu verzichten, die Leistungen selbst zu erbringen und dafür den temporären Mitarbeitenden eine Festanstellung anzubieten. Vincent Ducrot übergab die Petition an die Geschäftsleitung von SBB Immobilien, welche die Forderungen der Petition ablehnte.
Das Ausmass der Auslagerung zeigt sich exemplarisch im Tessin, wo die Petition ihren Anfang nahm. Angelo Stroppini, SEV-Gewerkschaftssekretär im Tessin beschreibt die Situation wie folgt: «Im Tessin reinigt die SBB derzeit 36 Bahnhöfe. In Zukunft soll die SBB nur noch für sechs Bahnhöfe zuständig sein, die anderen werden ausgelagert. Das ist ein Schlag ins Gesicht, den das Personal nicht hinnehmen will. Es müssen mehr Bahnhöfe in der Hand der SBB bleiben und das derzeitige Personal muss bei SBB Immobilien intern beschäftigt werden».
Der SEV fordert weiterhin dezidiert, dass die Reinigung und Hauswartung einer erheblich grösseren Anzahl Bahnhöfen von SBB Immobilien selbst verantwortet wird. Die ab 2023 vorgesehenen 122 Bahnhöfe sind klar zu wenig. Der SEV wird den Entscheid gemeinsam mit den Betroffenen analysieren und verschiedene Möglichkeiten prüfen, um SBB Immobilien doch noch zur Vernunft zu bringen.