Der Personalabbau ist nur eine der Massnahmen von «G-enesis», mit denen das Unternehmen seine Kosten um 60 Mio. Franken pro Jahr senken will, um sein derzeitiges strukturelles Defizit zu beseitigen und seine Reinvestitionsfähigkeit wieder herzustellen. Weil in den letzten Monaten durch eine Konjunkturschwäche Verkehre weggefallen sind, will SBB Cargo bereits dieses Jahr 80 Vollzeitstellen abbauen.

Weiter will SBB Cargo das Netz des Einzelwagenladungsverkehrs (EWLV) «optimieren» durch eine Reduktion der Anzahl Bedienpunkte, flexiblere Bedienzeitfenster, bessere Lokumläufe und grössere Transportmengen. Das alte Rollmaterial soll durch zeitgemässere, unterhaltsarme Fahrzeuge weniger Typen und in geringerer Zahl ersetzt werden. Automatisierung und Digitalisierung sollen weitere Effizienzgewinne bringen.
Zweitens will SBB Cargo dank höherer Preise jährlich rund 50 Mio. Franken mehr einnehmen. Dabei sind Abgänge von Kunden bereits einkalkuliert. SBB Cargo rechnet damit, dass durch die Preiserhöhungen und die Reduktion des EWLV-Netzes bis zu 15% des Transportvolumens an die Strasse verloren gehen.
Drittens hofft SBB Cargo auf Beiträge des Bundes, die das revidierte Gütertransportgesetz vorsieht, welches der Ständerat im September bereits gutgeheissen hat und das im März in den Nationalrat kommt. Jedoch sind diese Beiträge befristet.
Eigenwirtschaftlichkeit ist unrealistisch
Die VG beantragte ein Konsultationsverfahren und nahm am 10. Januar Stellung zur Reorganisation. In ihrem Brief kritisiert sie vor allem das unrealistische Ziel der Eigenwirtschaftlichkeit. «Die SBB Cargo AG hat seit ihrer Gründung im Jahr 1999 mit zahlreichen Reorganisationen immer wieder Eigenwirtschaftlichkeit angestrebt, aber nie erreicht», erklärt Philipp Hadorn, der beim SEV für das Dossier Cargo verantwortlich ist. «Der Grund dafür ist, dass der Güterverkehr auf der Strasse seine Kosten nur eingeschränkt tragen muss und deshalb einen erheblichen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Bahn geniesst.»
Bei den Reorganisationen führte der sukzessive Abbau des EWLV-Netzes dazu, dass der Anteil von SBB Cargo am Gesamtvolumen des Güterverkehrs in der Schweiz laufend schrumpfte. Die geplante weitere Reduktion des EWLV-Netzes sieht der SEV darum sehr kritisch, ebenso den Abbau von Personal und Rollmaterial. «Zwar unterstützt und anerkennt der SEV die Anstrengungen seitens SBB und SBB Cargo, vom Bund zusätzliche Mittel für den Schienengüterverkehr zu bekommen, doch ist die Befristung der Subventionierung falsch, weil der EWLV eben nie eigenwirtschaftlich funktionieren kann», führt Hadorn aus. Darum sind für den SEV unbefristete Subventionen nötig – und auch mehrheitsfähig. Denn auch die Schweiz muss Klimaziele erreichen, und dazu leistet der klimaschonende Güterverkehr auf der Schiene einen wertvollen Beitrag.
Personalabbau nicht zielführend, sondern schädlich
Wie mit dem Ziel der Eigenwirtschaftlichkeit schiesst SBB Cargo auch beim Personalabbau über ein nachvollziehbares Ziel hinaus. Die VG hält in ihrer Stellungnahme fest, dass die Personalbestände schon heute ausgedünnt sind, sodass die geplanten Stellenaufhebungen oder Nichtbesetzungen offener Stellen rasch zu Personalengpässen führen dürften. «Schon heute gibt es Anzeichen, dass Mitarbeitende unter der aktuellen Arbeitslast sehr leiden, was zu Risiken und zusätzlichen Ausfällen führt», unterstreicht Hadorn. Zu befürchten ist zudem ein Knowhow-Verlust, der das Unternehmen später teuer zu stehen käme, wie schon bei früheren Reorganisationen. Auch im Hinblick auf die laufende Digitalisierung und Automatisierung ist vor einem voreiligen Personalabbau zu warnen, bevor sich die neuen Arbeitsprozesse und Techniken nachweislich als praxistauglich erwiesen haben.
Projekt «G-enesis» muss sistiert werden
«Die vorgeschlagenen Abbaumassnahmen sind nicht einmal kurzfristig zielführend – geschweige denn für einen Ausbau des Bahnanteils am Gütertransport in der Schweiz. Darum braucht es eine Sistierung sämtlicher Restrukturierungsmassnahmen und der Umsetzung von ‹G-enesis›», fasst Philipp Hadorn zusammen. Und ergänzt: «Die aktuelle konjunkturelle Schwäche muss und kann mit anderen Mitteln abgefedert werden.» Die Stellungnahme der VG gipfelt in der Warnung: «Bei einer Umsetzung der vorgesehenen Transformation sind wir nicht in der Lage, die erwartbare und existenzgefährdende korrosive Energie in der Belegschaft zu reduzieren und die Umsetzungsmassnahmen zu unterstützen.»
SBB Cargo antwortete am 15. Januar, am eingeschlagenen Weg festhalten zu wollen, erklärte sich aber bereit, «insbesondere die Fläche der Produktion noch einmal näher zu betrachten» und den Zeitplan zu verlängern, um mit der VG deren Fragen zu klären. Weiter will SBB Cargo «in allen Bereichen die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten für eine Weiterbeschäftigung in Betracht ziehen» und «den Stellenabbau selbstverständlich sozialverträglich gestalten. Dabei suchen wir auch den Austausch innerhalb der SBB oder mit Partnerbahnen.»
Siehe auch Edito unten.
Markus Fischer